Behandlungsratgeber

Diagnose und Behandlung von Glioblastom

Als Glioblastom bezeichnet man einen Grad IV agressiven bösartigen Hirntumor. Er befällt die Gliazellen im Gehirn, die 90 % des Zellbestands im zentralen Nervensystem (ZNS) ausmachen und die Neuronen mit Nährstoffen versorgen. Gliazellen werden in 4 große Zelltypen gegliedert: Astrozyten, Oligodendrozyten, Ependymzellen und Mikroglia. Glioblastome bestehen normalerweise aus veränderten Astrozyten, können aber auch andere Zelltypen befallen. Der Gliom-Typ wird aufgrund der Gliazellen, die er befällt diagnostiziert.

AUF EINEN BLICK
FÜR WEN IST ES GEEIGNET
  • Patienten, die mit einem Glioblastom diagnostiziert wurden
PROGNOSE
  • Die Prognose für ein Glioblastom liegt bei 11 bis 18 Monaten, fällt jedoch bei jedem Patienten unterschiedlich aus.
BEHANDLUNGSDAUER
  • Ist eine Operation möglich, dauert diese zwischen 4 und 6 Stunden, es hängt aber von der Komplexität des Tumors ab.
  • Die Strahlentherapie dauert bis zu 7 Wochen.
  • Die Chemo wird zusammen mit der Strahlungstherapie verschrieben und läuft darüber hinaus noch etwa 6 Monate weiter.
  • Die oben genannten Punkte stellen eine Basisbehandlung bei Glioblastomen dar. Dies variiert jedoch von Patient zu Patient und hängt größtenteils vom Alter, der Größe des Tumors und Ihrer Krankengeschichte ab.
POTENZIELLE RISIKEN & NEBENWIRKUNGEN
  • Typische Operationsrisiken sind unter anderem: Infektionen, Blutungen, iatrogener (durch ärztliche Maßnahmen verursachter) Schlaganfall, neurologische Komplikationen wie die Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten.
  • Strahlen- und Chemotherapie können Müdigkeit, dermatologische Beschwerden, Übelkeit/Erbrechen, Haarausfall, Kopfschmerzen, Muskelschwäche und Unfruchtbarkeit hervorrufen. Auf lange Sicht erhöhen sie das Risiko auf Krebs, Hörverlust, Schwächung der Knochen/Muskeln.
DIAGNOSE, SYMPTOME & BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN VON GLIOBLASTOMEN

Ursachen

Nach dem heutigen Stand gibt es keinen ersichtlichen Auslöser für Glioblastome. Es gibt aber mehrere Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an einem Glioblasom zu erkranken:

  • Alter
  • Geschlecht (Männer sind stärker betroffen)
  • Strahlenbelastung
  • Genetische Erkrankungen wie Neurofibromatose oder das Turcot-Syndrom

Symptome

Symptome, die mit einem Glioblastom assoziiert werden sind:

  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Anfälle
  • Gedächtnislücken
  • Persönlichkeitsveränderungen

Nicht immer treten alle Symptome auf und jeder Fall kann spezifische Symptome aufweisen, je nach Lage des Tumors.

Diagnose

Ein Tumor wird mithilfe folgender Methoden diagnostiziert:

  • MRT (Magnetresonanztomographie) und CT (Computertomographie), um die Position des Tumors zu erfassen
  • Eine Biopsie (Gewebeentnahme), bei der ein kleiner Teil des Tumors entnommen und unter dem Mikroskop untersucht wird. Dies liefert Informationen über die Zusammensetzung des Tumor und hilft bei der Auswahl der Behandlungsmethode.

Zusätzlich zu diesen beiden Diagnosearten wird eine detaillierte Krankengeschichte erstellt und ein neurologischer und physiologischer Test angesetzt, der Ihr Erinnerungsvermögen, Sehkraft, Gleichgewichtssinn und Koordination und andere körperliche und kognitive Fähigkeiten erfasst.

Welche Behandlungen gibt es für Glioblastome?

Hirn-OP

DIe erste Abwehr gegen ein Glioblastom stellt immer die OP dar. So viel Tumorgewebe wie möglich soll entfernt und der Druck, den der Tumor auf das Hirn ausübt, vermindert werden. Die OP wird unter Vollnarkose durchgeführt und verläuft folgendermaßen:

  • Kraniotomie: Der Chirurg öffnet die Schädeldecke, indem er einen Teil des Schädelknochens entnimmt, und legt das Hirn frei.
  • Mithilfe spezieller chirurgischer Instrumente wird der Tumor wird so gut wie möglich entfernt. Glioblastome breiten sich durch infiltratives Wachstum aus - die Durchsetzung gesunden Gewebes mit den Krebszellen. Dies macht eine vollständige Entfernung besonders schwer.
  • Befindet sich der Tumor an einer schwer zugänglichen oder lebenswichtigen Stelle, werden intraoperative MRT oder Hirnkartierung während der OP angewendet.
  • Abschließend wird die Schädeldecke wieder aufgesetzt und die Wunde vernäht.

Strahlen- und Chemotherapie

Beide Therapien werden nach der OP angesetzt (oder sofort, wenn eine OP nicht möglich ist). Ziel der Therapien ist das Abtöten der verbleibenden Krebszellen, die nicht während der OP entfernt wurden, um so den Tumor zu verkleinern. Bei der Strahlentherapie werden energiereiche Strahlen auf den Tumor gerichtet, um die Krebszellen abzutöten.

Bei einer Chemotherapie handelt es sich um eine pharmakologische Behandlungsmethode, bei der die Medikamente zumeist oral während und nach der Strahlentherapie eingenommen werden. Das am häufigsten verschriebene Medikament für Glioblastome ist Temozolomid, bzw. Temodar.

Tumortherapiefelder (TTF)

TTF ist eine relativ neue Form der Glioblastomtherapie. Hierbei wird die Zellteilung durch den Einsatz von schwachen elektromagnetischen Wechselfeldern blockiert gestoppt. Klebepads werden auf der Kopfhaut angebracht, die daraufhin an ein vom Patienten steuerbares Gerät angebracht werden, welches das notwendige elektromagnetische Feld generiert.

Was kann ich von der Behandlung erwarten?

Glioblastome sind hochgradige Hirntumore, die schnell wachsen und benachbartes Hirngewebe befallen. Sie können spontan als Grad IV auftreten oder sich aus einem Astrozytom (Hirntumor) niedrigeren Grades entwickeln.

Heterogener Tumor

Die Behandlung dieser Tumore ist sehr schwierig, da sie heterogen sind. Das bedeutet, sie bestehen aus unterschiedlichen Zelltypen. Bei manchen Zellen schlägt die Behandlung an, bei anderen nicht. Diese können dann weiter wachsen und sich im Gehirn ausbreiten. So ist der Erfolg der Behandlungsarten nur von kurzer Dauer.

Blut-Hirn-Schranke

Da die Erkrankung zudem im Gehirn auftritt, kommt erschwerend hinzu, dass man um die Blut-Hirn-Schranke umgehen muss. Dies schränkt die Anzahl der Arzneimittel, die verschrieben werden können, erheblich ein.

Noch eine kurze Bemerkung am Schluss: Die Prognosen sind zwar in den meisten Fällen schlecht, aber oft können Patienten zu einer Klinikstudie teilnehmen, die sehr hilfreich sein können. Ein wesentlicher Teil der Behandlung besteht darin, sich mit Freunden und Familie zu umgeben, Aktivitäten, die Ihnen Freude machen beizubehalten und Ihren emotionalen Haushalt in Ordnung zu halten.

Neueste Forschungen: Immuntherapie als mögliche Behandlung für Glioblastome?

Unser Immunsystem

Das Immunsystem: der natürliche Abwehrmechanismus unseres Körpers. Es schützt uns vor Fremdkörpern oder beschädigten und defekten Zellen. Trägt aber auch Sorge, dass die ständig auftretenden Mutationen innerhalb unserer Zellen unter Kontrolle gehalten werden.

In manchen Fällen nehmen die Mutationen jedoch überhand oder bleiben unentdeckt: Eine Krebszelle entsteht, die sich zu einem Tumor weiterentwickelt. Glioblastome fallen dabei unter die aggressivsten Hirntumore und ein besonderes Merkmal des Befalls ist die Ausschaltung des Immunsystems im Gehirn. Denn unser Gehirn besitzt seine ganz eigene Immunlandschaft, in der die Blut-Hirn-Schranke eine unverzichtbare Komponente darstellt.

Immuntherapie

Immuntherapie zielt auf eine Krebsbehandlung durch Unterstützung und Ankurbelung des körpereigenen Immunsystems ab. Der Körper kann so die Krankheit erfolgreicher bekämpfen. Erfolge bei bestimmten Krebsarten (z. B. Lungen- oder Hautkrebs) wurden bereits verzeichnet, aber die Therapieform befindet sich noch in der Entwicklungsphase und es bedarf noch weiterer Forschungen im Bereich der Glioblastome.

Forschungsarbeit

Die Mechanismen, die das Immunsystem unseres Gehirns lenken und beeinflussen, sind noch immer nicht komplett entschlüsselt. Jedoch wurde ein großer wissenschaftlicher Schritt im Hinblick auf die Entwicklung individuell auf Patienten abgestimmter Impfstoffe gemacht.

Noch müssen große Hürden genommen werden, und die zukünftige Anwendung für Glioblastome steht noch in den Sternen. Die Entwicklung benötigt Zeit und das Zusammenspiel von Wissenschaftlern der unterschiedlichsten Disziplinen.

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