Social Freezing: Was genau ist das und wie funktioniert es?

Was ist Social Freezing?

Social Freezing ist eine Kryokonservierungstechnik. Und da mit diesem schönen technischen Begriff wahrscheinlich niemand auf Anhieb etwas anfangen kann (die Autorin mit eingeschlossen), hier nochmal eine etwas verständlichere Erklärung. Noch vor einigen Jahren konnte man die biologische Uhr nicht einfach anhalten: Frauen hatten ein begrenztes Zeitfenster, in dem sie fruchtbar waren und Kinder bekommen konnten. Mittlerweile hat sich dieser Sachverhalt ein wenig verändert. Heutzutage können Frauen die Familienplanung souverän in die Hand nehmen, ohne mit Ende 30 Torschlusspanik zu bekommen, und zwar dank Social Freezing. Die herangereiften Eizellen werden nämlich mithilfe dieser Technik eingefroren und für den späteren Gebrauch gelagert. „Das beste Alter, um Schwanger zu werden ist mit ca. 25 Jahren“, so Inge Kormelink, Leiterin für internationale Strategien und Politik am IVF Spanien. „Wenn das nicht möglich ist - schlechter Zeitpunkt oder falscher Partner - bietet das Social Freezing eine gute Möglichkeit, die Familienplanung auf später zu verschieben.“

Social Freezing wurde ursprünglich entwickelt, um die Fruchtbarkeit für Frauen zu erhalten, die sich einer medizinischen Behandlung (Chemo, Strahlentherapie) unterziehen müssen, die die Funktion ihrer Eierstöcke beeinträchtigt. Heutzutage wird die Behandlung aber immer öfter auch von Frauen genutzt, die das Kinderkriegen auf einen späteren Zeitpunkt verschieben möchten. Da die Fruchtbarkeit einer Frau - sowie Zahl und Qualität ihrer Eizellen - mit zunehmendem Alter abnimmt (verstärkt ab 35), bietet Social Freezing Frauen die Möglichkeit mit der Familienplanung noch warten zu können.

Wie funktioniert Social Freezing?

Social Freezing gibt es schon seit den 80er Jahren, aber die frühen Methoden hatten wenig Aussicht auf Erfolg, weil die Eizellen so empfindlich sind und das Verfahren noch nicht ausgereift genug war. Mittlerweile wurde eine neue Technik entwickelt, die sogenannte Vitrifizierung von Eizellen. Sie hat die Erfolgsrate für das Einfrieren, Lagern und Auftauen lebensfähiger Eizellen deutlich nach oben schnellen lassen. Social Freezing verläuft üblicherweise in 5 Schritten:

Social Freezing - Schritt für Schritt

1. Beratung und ärztliche Untersuchung Zuerst gibt es eine ausführliche Beratung und erste Untersuchung inklusive Blut- und Hormontests. Dabei beurteilt der Arzt auch den Zustand der inneren Fortpflanzungsorgane. Schön und gut, aber was bringen all diese Tests? Sie sollen zum einen die Fruchtbarkeit der Frau bestimmen. Außerdem kann der Arzt so entscheiden, ob für ein Social Freezing alle nötigen Bedingungen erfüllt sind.

2. Stimulation der Eierstöcke Wenn nach den Untersuchungen das Ergebnis für eine Behandlung positiv ist, beginnt die Stimulation der Eierstöcke. Durch eine Hormonbehandlung werden die Eierstöcke zur Produktion der optimalen Menge an Eizellen anregt. Das dauert 7 bis 14 Tage und kann zu Hause durch Injektionen erfolgen. Ihr Arzt überwacht die Eizellenproduktion, um den besten Tag für die Entnahme zu bestimmen.

3. Eizellenentnahme Die Entnahme wird ambulant durchgeführt, unter leichter örtlicher Betäubung, und dauert etwa 20 Minuten. Eine Hohlnadel muss dabei durch die Scheidenwand in den Follikel des Eierstocks eingeführt werden. Dann wird ein Saugapparat ans Ende der Nadel angebracht, der die Follikelflüssigkeit absaugt, in der hoffentlich einige Eizellen schwimmen. Das ganze wird am anderen Eierstock wiederholt. „Am IVF Spanien versuchen wir zwischen 12 und 14 Eizellen in einer Sitzung zu entnehmen“, erklärt Kormelink. Von den abgesaugten Eizellen werden dann die besten für das Einfrieren ausgewählt.

4. Vorbereiten der Eizellen auf das Einfrieren Die ausgesuchten Eizellen werden gewaschen und vorbereitet. Es gibt 2 Methoden für das Einfrieren: das ‘langsame Einfrieren’ und die ‘Vitrifizierung’, die schon am Anfang des Artikels kurz erwähnt wurde. Die meisten Kliniken bevorzugen die 2. Technik, da sie moderner und erwiesenermaßen erfolgreicher ist. Bei ihr überleben 90 bis 95 % der eingefrorenen Eizellen den Einfrier- und Auftauprozess. Bei der langsamen Methode sind es nur knapp 61% survival rate. Wieso ist die Vitrifizierung aber so viel effektiver? Bei ihr werden die Eizellen schockgefroren. Das verhindert die Bildung von Eiskristallen, die die Eizelle beschädigen könnten.

5. Kryokonservierung und Lagerung Die Eizellen werden bei -196° C eingefroren und in einem Tank mit flüssigem Stickstoff gelagert. Das verhindert den biologischen Abbau der Eizellen. So können sie über 10 Jahre lang sicher gelagert werden.

Und wenn man nun die eingefrorenen Eizellen verwenden möchte?

Sobald die Frau ein Baby haben möchte, werden ihre Eizellen aufgetaut, um den Normalzustand wieder herzustellen. Die Befruchtung verläuft dann genau wie bei einer IVF (In-vitro-Fertilisation): Die Eizellen werden in einem Labor per ICSI (intracytoplasmatischer Spermieninjektion) mit den Spermien befruchtet. Der daraus entstandene Embryo (oder die Embryonen) werden dann nach 2 bis 5 Tagen in die Gebärmutter der Frau eingesetzt.

Social Freezing in Zahlen und Fakten

Wie teuer ist Social Freezing?

Wie viel man für eine Social Freezing Behandlung bezahlen muss, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Da ist einmal das Behandlungsland, dann die angewendete Technik, die Kombination mit anderen Behandlungen oder die jährlich anfallenden Kosten für die Lagerung. Global betrachtet ist Social Freezing vor allem in den USA sehr teuer. Die Durchschnittskosten liegen hier bei 9000€, hinzu kommen zusätzlich 500 bis 1000€ pro Jahr für die Lagerung. In Spanien ist die Behandlung weitaus günstiger: „Am IVF Spanien kostet die Behandlung 2550€ für bis zu 12 Eizellen und 3000€ für die Entnahme von 13 oder mehr Eizellen. Die Lagerungskosten für das erste Jahr entfallen, jedes weitere Jahr kostet 300€.“ Ist es da verwunderlich, dass viele internationale Patienten für diese und andere Behandlungen - darunter auch IVF - nach Spanien reisen? „Etwas 96 % unserer Patienten kommen aus dem Ausland zu uns“, berichtet Kormelink. „Die meisten europäischen Patienten reisen aus England oder Irland an, aber wir haben auch Patienten aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Belgien. Auch Patienten aus den USA und Australien sind bei uns in Behandlung.“

Wie schon gesagt, bietet Social Freezing Frauen die Option eine Schwangerschaft auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Frau kann ihre Eizellen allerdings nicht beliebig lange in Reserve halten: „Nach dem spanischen Gesetz liegt die Altersgrenze bei 50 Jahren. Bis dahin dürfen die eingefrorenen Eizellen von der Patientin benutzt werden. Sobald sie 51 Jahre alt wird, muss sie sich entscheiden ihre Eizellen entweder entsorgen zu lassen, sie zu Forschungszwecken freizugeben oder einer anderen Frau zu spenden“, erläutert Kormelink.

Zukunftsaussichten?

„Über die letzten Jahre haben immer mehr Frauen Social Freezing in Betracht gezogen. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass man problemlos nach Plan schwanger werden kann. Die Realität sieht anders aus. Es reicht nicht aus jung und gesund zu sein, die Fruchtbarkeit ist der springende Punkt. Bei über 40-jährigen sinkt deshalb die Aussicht auf eine natürliche Schwangerschaft auf 5 %“, so Kormelink. „Wir sollten das Bewusstsein für Fruchtbarkeit weltweit stärken. Es ist an Institutionen wie der unseren - als Experten auf diesem Gebiet - die Gesellschaft über die Wichtigkeit der Fruchtbarkeit aufzuklären. Der Zeitpunkt, an dem wir mit der Familiengründung beginnen, hat sich nach hinten verschoben. Frauen müssen also realisieren, dass es in Ihrer Macht liegt die entsprechenden Schritte zu unternehmen, wenn sie eines Tages Kinder haben wollen.“

Für jeden, der nach ein paar persönlichen Berichten und Geschichten zum Social Freezing sucht: Eggsperience sammelt Erfahrungsberichte von Frauen auf der ganzen Welt, um Inspirationen und lehrreiche Einblicke in das Thema zu geben.

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Über den Autor

Dr. Sophie Chung, CEO & Gründerin

Sophie ist promovierte Ärztin im Fachbereich Kardiologie und Stammzellenforschung. Sie ist dabei das Gesundheitswesen grundlegend zu verändern: Patienten weltweit sollen einen leichteren Zugang zu Pflege und Behandlungen erhalten und medizinische Betreuung auf eine ganz neue Art erfahren.

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